Geschichte der Kirchengemeinde

Kirche vor 1900Zur Zeit der Reformation gab es wenige Jahre, in denen Bad Lippspringe fast ganz evangelisch war. Bereits 1610 dankte die Bürgerschaft Amtmann Johannes Moller für die Wiederherstellung des katholischen Glaubens. Erst ab 1803 kommt es zur Bildung von ersten evangelischen Gemeinden im Fürstbistum Paderborn.

1838 beschließen die zugewanderten evangelischen Bürger von Lippspringe, meistens Geschäftsleute oder preußische Beamte, eine evangelische Gemeinde zu gründen. Die Gottesdienste werden in privaten Räumen und gemieteten Gasthaussälen gehalten. Mit Geld aus Sammlungen, Spenden (auch Gustav-Adolf-Werk) und einer Gabe von 3100 Reichstalern aus der Staatskasse des preußischen Königs werden zunächst eine kleine Schule und dann die Kirche gebaut. Nach zweijähriger Bauzeit feiert die Gemeinde am 17.07.1846 die Einweihung der neoromanischen Bruchstein-Kirche.

Friedrich Wilhelm IV. hat großes Interesse, überprüft selbst die Pläne und versieht sie eigenhändig mit der Bemerkung "Muss auch eine Glocke haben". So wird 1859 für 1000 Taler ein Glockenturm mit drei Glocken angebaut. 1863/64 wird die Kirche um drei Apsiden erweitert, in denen Sakristei, Altarraum und Bänke für tuberkulosekranke Kurgäste untergebracht werden.

 

Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts nimmt der Kurbetrieb raschen Aufschwung, auch die Zahl der Gemeindemitglieder wachst an, so wird in den Jahren 1899/1900 der Anbau der Seitenschiffe an die Kirche notwendig.

Grundriss der Kirche nach Anbau der Seitenschiffe

Grundriss der Kirche nach Anbau der Seitenschiffe

1924 kann durch eine Spende aus den USA der bis dahin schlicht weiß gestrichene Innenraum ausgemalt werden. Der thronende Christus über dem Altarraum prägt bis zum Umbau 1961 das Bild der Kirche und bis heute die Erinnerung älterer Gemeindeglieder.

Hitler-Regime und Zweiter Weltkrieg bedeuten auch für die Kirchengemeinde einen großen Umbruch. 1934 beschließt das Presbyterium, sich der Bekenntnissynode zu unterstellen, d.h. in der Spaltung zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche der eher Regime-distanzierten Seite anzugehören.

Innenraum 1954

Innenraum 1954

Kirche nach 1900Durch den Zuzug der Flüchtlinge und Vertriebenen nach 1945 steigt die Zahl der Gemeindemitglieder auf das Doppelte an. Besonders in Neuenbeken, Benhausen und Marienloh wohnen jetzt viele Evangelische, die ihre besondere Prägung und Tradition aus Schlesien und Ostpreussen mitbringen.

1961 erfolgt eine grundlegende Renovierung und Umgestaltung: das Kirchdach wird komplett saniert, Kreuzgewölbe und Rundbögen der Seitenschiffe werden abgerissen und dem größeren Platzbedarf der Gemeinde wird durch eine vergrößerte Empore und den engeren Einbau von Bänken Rechnung getragen.

Im Jahr 1962 erwirbt die Gemeinde ein Altarkreuz und eine Taufschale des bekannten Wolfgang Kreutter (1924-1989). Durch den Anbau einer kleinen Sakristei an der Nordseite im Jahr 1971 kann die freigewordene Apsis Platz für den Taufstein bieten.

 

Kirche 19751974 werden die alten Fenster durch neue Fenster in Glasbetonstein ersetzt und vier neue Fenster rechts und links neben dem Turm geschaffen.. Einige der älteren Fenster sind noch im Dachraum der Kirche und über der Turmtür zu sehen.

Abbröckelnde Teile des Bruchsteins veranlassen 1983 das Presbyterium der Kirchengemeinde, sich für einen kompletten Aussenputz der Kirche zu entscheiden. 1986 beschließt der Einbau der neuen Orgel zunächst für 20 Jahre die größeren Bauarbeiten an und in der Evangelischen Kirche Bad Lippspringe.

Das Aufblühen der Computer-Branche in Paderborn bringt junge Familien aus dem ganzen Bundesgebiet nach Bad Lippspringe. Viele Menschen aus dem Ruhrgebiet und aus Berlin finden aber auch nach der Pensionierung ein neues Zuhause in Gemeinde und Stadt.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ziehen dann viele Menschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu. Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe ist eine Geschichte von Menschen, die in diese Gemeinde ziehen, ihre Traditionen und Glaubensvorstellungen mitbringen und jetzt das Gesicht der evangelischen Gemeinde mit prägen.

Innenraum zwischen 1967 und 1974