Orgelgeschichte

"Die Orgelgeschichte der ev. Kirche Bad Lippspringe [...] liefert uns kaum orgeltechnische Unterlagen für das 19 Jahrhundert" , so lautet der Befund des Kirchenmusikdirektors und Orgelsachverständigen Professor Dr. Martin Blindow aus Münster, nach eingehendem Studium der Akten im landeskirchlichen Archiv Bielefeld.

Allerdings findet sich die Geschichte vom Kauf eines ersten Orgelpositivs für Lippspringe in den Annalen. Das Instrument wurde aus dem Nachlass des 1838 verstorbenen Dringenberger Orgelbauers Michael Oestreich gekauft. Der Kaufpreis von 100 Talern allerdings mußte einem Gastwirt in Bösenfeld gezahlt werden. Oestreich hatte diesem das Instrument als Pfand für seine Wirtshausschulden überlassen müssen. 1839 wurde das Orgelpositiv nach Bad Lippspringe geliefert, mußte in Ermangelung eines eigenen Kirchraumes allerdings erst in einer Privatwohnung untergestellt werden. Erst nach einiger Zeit und mehreren Mahnbriefen an das Presbyterium wurde die kleine mechanische Orgel dann ihrem eigentlichen Zweck übergeben. Fast 100 Jahre lang fehlen dann Informationen über Art und Beschaffenheit der Lippspringer Orgel. Erst ab dem Jahr 1934 sind wieder Angaben vorhanden, in diesem Jahr nämlich wird ein Instrument aus der Orgelbauwerkstatt Steinmann (Vlotho) in der evangelischen Kirche eingeweiht. Orgelbautechnisch war dies Instrument geprägt von der gerade einsetzenden Rückbesinnung auf die Baupraktiken der Barockzeit. "Lippspringe hatte damit eines der ersten Werke der "Orgelbewegung" im westfälischen Raum, wobei man allerdings den damals revolutionären Schritt zur Vollmechanik nicht wagte." .

Bei der Kirchenrenovierung des Jahres 1961 wurde die Orgel komplett abgebaut und von der Firma Stegerhoff (Paderborn) und Kantor Günter André unter Einbeziehung von altem Pfeifenbestand um vier Register erweitert wieder aufgebaut.

Fast schon legendär muten die Geschichten an, die sich um dieses Instrument ranken, an dem der gelernte Orgelbauer und Kirchenmusiker Günter André immer wieder Verbesserungen und Umbauten vornahm.

1983 allerdings war eine Reparatur aufgrund des schlechten technischen Zustands der Orgel unmöglich geworden. In einem fast drei Jahre andauernden Prozess entschied sich das Presbyterium der Kirchengemeinde für den Kauf einer neuen Orgel der Firma Kleuker (Bielefeld-Brackwede). Der neue Standort in der damals vorderen linken Apsis war Anlass zu langen Diskussionen, ein Modell aus Holzlatten wurde angefertigt, schließlich beschied auch Diplomingenieur Schmidt vom landeskirchlichen Bauamt die Standortlösung sei "nicht sehr glücklich, wahrscheinlich jedoch als einzige möglich".

Mit 17 klingenden Registern konzipiert konnten am Tag der Orgel-Einweihung, dem Sonntag Reminiszere (23. Februar 1986) 15 aufgestellt werden. Möglich wurde die Anschaffung der neuen Orgel nicht zuletzt durch eine großzügige Spende einer Frau aus der Gemeinde in Höhe von 45.000,- DM. Schon früh bemerkten Kirchenmusiker Ulrich Schneider und die Gemeinde sogenannte "Heuler" im neuen Instrument, die den Genuss beträchtlich schmählerten. Endgültig beseitigt werden konnten diese Heuler jedoch erst bei einer grundlegenden Renovierung der Orgel im Jahr 1995 durch die Firma Kreienbrink (Osnabrück). Im Zuge dieser Sanierung wurden dann auch die zwei vakanten Register aufgestellt. Die Firma Kreienbrink übernahm im Jahr 2004 auch den Teil-Abbau der Orgel, der durch die Kirchenrenovierung notwendig geworden war. Als Abschluss der Umbauarbeiten werden die ausgelagerten Teile der Orgel wieder eingebaut und die Orgel gesäubert und neu gestimmt.