Die ersten Entwürfe

Im Juli 2001 beschloss das Presbyterium auf Anraten des Bauausschusses zur Ideenfindung und Lösung der baulichen Unzulänglichkeiten des Kirchenraumes einen Architektenwettbewerb (Gutachterverfahren) in Form einer Mehrfachbeauftragung durchzuführen.

Die Büros Sittig (Boveden), soan - architekten (Warburg) und die architektur-werk-stadt (Paderborn) wurden ausgewählt, Entwürfe zu fertigen.

Um das Beurteilungsvermögens des Presbyteriums und des Bauausschusses zu stärken, berief man vier weitere sachkundige Mitglieder in den Bauausschuss. So wirkten der Superintendent des Kirchenkreises Paderborn, Christoph Berthold, Landeskirchenoberbaurat Hartmut Krome aus Bielefeld, die Künstlerin und Pfarrerin Friederike v. Eckhardstein aus Haltern, die gleichzeitig Mitglied in der Kommission für Kirchbau und Kirchliche Kunst war, und der Architekt Klaus Vogt vom Büro "Planen + Bauen" aus Lemgo an der vorbereitenden Diskussion und Beurteilung der Ergebnisse mit.

Die drei gefertigten Entwürfe zur Umgestaltung der Kirche wurden am 05. November 2001 in Bad Lippspringe durch die Architekturbüros dem Ausschuss und den Sachverständigen und ein paar Tage später auch der Gemeinde, vorgestellt. Die Arbeiten zeigten Parallelen in den Lösungsansätzen, jedoch auch Unterschiede in der Herangehensweise und Gestaltung, um die gestellten Aufgaben, die das Presbyterium mit der Gemeinde zusammen formuliert hatte, zu beseitigen.

1. Der Entwurf von Sittig . Stjerneby . Voges, Architekten und Stadtplaner, Boveden

Der Entwurf des Architekten und Stadtplaners Hans-Jürgen Sittig aus Bovenden zeichnete sich im Innenraum durch eine axiale, nach Westen hin ausgerichtete Grundstruktur der Kirche aus (vorhandene Ausrichtung). Neu eingeschobene Pfeiler und Rundbögen, geplant an historischen Stellen, gliedern den Kirchenraum in zwei Grundräume: den Sitzbereich für die Gemeinde mit dem halben Mittelschiff und den Seitenschiffen und den Chorraum mit den vorhandenen Apsiden mit Sakristei und Orgel. Kleinbänke aus Holz und Metall, sowie Stühle sind radial im Halbkreis angeordnet und zum Altar hin ausgerichtet.

Innenraumskizze - Entwurf Sittig

Innenraumskizze - Entwurf Sittig

Zwischen diesen Räumen im hinteren Drittel der Kirche ist der Altar vorgesehen, ein fünfeckiger Tisch mit Glasplatte und fünf Holzfüßen, die fünf Kontinente symbolisierend (5 Füße = 5 Holzarten). Er steht erhöht auf einem in den Kirchenraum hin ausgerichteten Podest mit mehreren Stufen. Der Kirchenraum wird durch eine schmetterlingsförmige, weit bis in die Mitte der Seitenschiffe hineinragende, neue große Empore bestimmt, die ihren Aufgang im vorhandenen Turm hat. Vier zusätzliche Eingänge zu allen Himmelsrichtungen sollen Öffnung und Transparenz zeigen. Vor allen Eingängen sind Glasanbauten geplant. Die Decke ist vielfach gegliedert und unterteilt. Der Fußboden ist z. T. in Textilien vorgesehen. Vor dem Altar wird ein neuer "Taufleuchter" eingeplant, von dem die Taufschale herabgelassen werden kann. Für die Ausgestaltung der Wände sind farbige Lasuren in Gelb und Violett vorgesehen.

Ein neuer Verbindungsbau mit achteckiger Kuppel mit Energiezentrale und Lager im Keller soll Gemeindezentrum und Kirche baulich miteinander verbinden. In energietechnischer Sicht gibt es bereits in diesem Vorentwurfsstadium seitens der Verfasser zahlreiche Hinweise zur Energiegewinnung und Energieeinsparung.

2. Der Entwurf von soan - architekten - Boländer und Hülsmann, Warburg, Bochum

Der Entwurf des jungen Büros (gegründet 1996) soan-architekten mit Sitz in Warburg und Bochum wird durch die innere Drehung der Kirchenausrichtung bestimmt.

Die Haupterschließung erfolgt barrierefrei vom Platz vor dem Gemeindezentrum aus über einen Glasanbau als vorgestellter Kubus, der seitlich mit einem neuen Sakristeianbau zwischen Kirchengebäude und Sakristei ergänzt wird. Die Fassade der Sakristei soll mit Gotländischem Kalkstein verkleidet werden. Der Turmeingang bleibt als zweite Erschließungsmöglichkeit über den geplanten Altarraum bestehen. Die vorhandene Empore wird entfernt. Im stadtfernen Seitenschiff ist eine neue Empore über die Fläche des ganzen Seitenschiffes hin angedacht.

Im Zentrum der Überschneidung des Mittelschiffes mit den Seitenschiffen entsteht eine zentrale Fläche mit einem quadratischen Altartisch als "liturgischer Bereich für gottesdienstliches Handeln". Diagonal sind Ambo/Kanzel und Taufstein angeordnet. Die Prinzipalstücke bestehen aus Gotländischem Kalkstein und Ahornholz. Ihre jeweiligen Standorte sind nicht veränderbar. Die vorgezogene Turmwand mit einer aufgesetzten Wandscheibe bildet den Rücken des Chorraumes. An ihr ist das vorhandene Bronzekreuz befestigt und ein hängendes, drehbar gelagertes Pult als Ort für die Bibel.

Den Gottesdienstbesuchern stehen 194 Plätze auf dreiseitig, asymmetrisch angeordneten Holzbänken mit Ausrichtung auf die neue Mitte zur Verfügung. Eine Zubestuhlung ist möglich. Die Belichtung des Kirchenraumes soll über indirektes Licht erfolgen. Vor den vorhandenen Betonfenstern sind Alabasterscheiben mit biblischen Texten als Diffuser angedacht. Die Farbgestaltung beschränkt sich auf die Farbigkeit der Materialien. Die Decke soll höhengestaffelt ausgeführt werden.

Innenraummodell - Entwurf soan

Innenraummodell - Entwurf soan

3. Der Entwurf der architektur-werk-stadt - Balhorn, Wewer, Karhoff

Die Verfasser sehen den Mittelpunkt der Kirche als Überlagerung von zwei Räumen, die aus Haupt- und Seitenschiff entstehen. Es erfolgt die optische Auflösung der Seitenschiffe durch Wegfall von Unterzügen und Mauerversprüngen. Die Decke soll überall auf gleicher Höhe ausgebildet werden. In der Schnittfläche wird der Altar stehen. Über dem Altar ist ein zusätzliches, rundes Oberlicht im Kreuzungspunkt der Firste vorgesehen. Diese Anordnung bedingt die Drehung der inneren Ausrichtung. Das Innengefüge folgt der Symmetrie des Raumes. Die Gemeinde sitzt dreiseitig um den zentralen Abendmahlstisch.

Modellkollage Chorwand und Prinzipalstücke - Entwurf architektur-werk-stadt

Modellkollage Chorwand und Prinzipalstücke - Entwurf architektur-werk-stadt

Es entsteht ein neuer barrierefreier Hauptzugang vom Gemeindezentrum aus. Die alte Taufapsis übernimmt die Funktion des Windfanges. Als weiterhin wichtiger "Stadtzugang" bleibt der vorhandene Seiteneingang als zweiter Zugang erhalten. Mit einer Pergola zwischen Gemeindezentrum und Kirche soll eine Verbindung der Gebäude geschaffen werden. Die Orte für Taufe, Altar und Verkündigung sind in der Mittelachse platziert. Die Sakristei findet im Wettbewerbsentwurf einen neuen Raum im Bereich des Turmeinganges und in Teilbereichen unter der alten Empore, die entfernt wird. Einsatz loser Bestuhlung mit Ausrichtung auf die Mitte ermöglicht größtmögliche Flexibilität und gute Sichtmöglichkeiten auf LiturgIn oder PfarrerIn.

Den Raumabschluss bildet eine diffuse Glaswand mit vorgehängter, konkaver Holzwand mit Lichtkreuz als Abschluss des neuen Chores. Die Wand symbolisiert die geöffneten Arme Gottes als einladende Geste. Die vorhandenen Glasbetonfenster sollen erhalten bleiben. Die Prinzipalstücke sind aus Ahorn und Wenge gestaltet und lassen sich in besonderen Fällen bewegen. Wände und Decke sind einheitlich hell gestaltet. Der Fußboden soll mit Sandstein hergestellt werden.

Modellkollage Innenraum mit Chorwand und Oberlicht - Entwurf architektur-werk-stadt

Modellkollage Innenraum mit Chorwand und Oberlicht - Entwurf architektur-werk-stadt